Odysseus, oder von Bären und Honigtöpfen

28.08.2026

‍Aktuell wird im Kino Christopher Nolan’s „Odyssee“ gezeigt. Dabei handelt es sich um die uralte Geschichte um Odysseus, Held der Griechen bei der Belagerung von Troja, auf dem Heimweg zu seinem Königreich auf Ithaka. Er begegnet dabei vielen Schwierigkeiten, grade auch, weil er Neptun, den Gott des Meeres, verärgert hat, und der ihn nicht auf geradem Kurs heimkommen lässt.

‍Ich weiss nicht, ob die folgende Begebenheit auch im Film anzuschauen ist, sie kommt aber genau so im Original Epos „Odyssee“ von Homer vor.

‍Auf seiner langen Seefahrt durch das Mittelmeer überstand Odysseus schon mancherlei Gefahr mittels seiner Gewitztheit, seinem Mut und nicht zuletzt auch seiner treuen Gefährten. Er wollte nun unbedingt dem Gesang der Sirenen lauschen, schliesslich waren sie dafür berühmt und berüchtigt, mit ihrem wundervollen Gesang Seefahrer zu betören, so dass diese ihre Schiffe in Richtung des Gesangs steuerten. Doch die Insel der Sirenen war mit tödlichen Klippen umsäumt, an denen die Schiffe der Seefahrer zerschellten und mit Mann uns Maus untergingen. Die Sirenen hatten daran ihren Spass - und auch an den Ladungen der Schiffe.

‍Odysseus fasste nun den Plan, zur Sireneninsel zu fahren und dem Gesang zu lauschen. Damit aber niemand umkam, verschloss er die Ohren seiner Gefährten mit Wachs. Sich selbst liess er an den Mast binden, so dass er nicht ins Wasser springen konnte und dabei umkäme. Der Plan ging auf, das Schiff des Odysseus kam unbeschadet an der Insel vorbei und er war von nun an einer der zwei Männer, die den Gesang der Sirenen gehört hatten und überlebten.


‍Diese Geschichte erinnert mich nun an etwas anderes. Im Mittelalter gingen die Menschen dem zweifelhaften Vergnügen nach, Tiere in verachtenswerter Art und Weise zu quälen. Eine Art war es, einen hungrigen Bären mit einem Topf voll kochendem Honig zu konfrontieren. Natürlich konnte der Bär nicht widerstehen, schleckte den heissen Honig und verbrannte sich prompt die Schnauze. Jaulend strich er mit den Pranken über seine Nase, um den Schmerz zu beruhigen, während dessen das Volk gröhlte und jauchzte. Nachdem der Schmerz einigermassen gewichen war, konnte der Bär nicht anders und probierte es nochmals mit dem heissen Honig, nur um seine Schnauze noch mehr zu verbrennen. Dieses Hin-und-Her unterhielt das Volk prächtig, zumindest so lange, bis der Bär erschöpft, blutend und sterbend auf den Boden fiel. Armer Bär, er konnte dem Honig nicht widerstehen und bezahlte mit seinem Leben.


‍Die Bären starben, Odysseus überlebte nur dank des Mastes seines Schiffes. Die Honigtöpfe waren zu verführerisch, der Gesang der Sirenen eigentlich auch. Normalerweise helfen uns unsere Werte, den gefährlichen Verführungen nicht nachzugeben. Werte, die uns unsere Eltern mitgegeben haben, die wir in der Kindheit lernten oder uns mit der Zeit selbst aneigneten. Solange die Werte aber nicht absolut sind, haben sie eine Schwäche: Sie verändern sich mit der Zeit. Bieten veränderliche Werte, im Glauben, in der Kirche, einen geeigneten Schutz gegen zerstörerische Verführungen?

‍Die Bibel sagt nein. Sie kennt aber einen genug starken Mast, an den wir uns binden können, damit wir nicht umkommen. Sie kennt absolute Werte – Werte, die die Zeit und ihren Geist überdauern. Sie legt ein Zeugnis ab über einen unendlichen und ewigen Gott, dessen Liebe zu uns in seinen Ratschlägen, in seinen Werten, in seinen Geboten zu erkennen ist. Der Apostel Paulus schrieb an die Christen in Galatien: Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! Er kennt den Mast, der uns aus der Knechtschaft unseres Begehrens, der Verführungen, der Sünde und dem Tod befreit: Jesus Christus. Jesus sagte selbst: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ Joh 16,33 

‍Entweder wir binden uns an ihn, oder wir enden gleich den Bären tragisch.

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